.is_audio_player: USB-Stick mit Linux-Mediaplayern synchronisieren

Linux-Mediaplayer wie Amarok, Banshee, Rhythmbox & Co können von Haus aus keine Musik mit USB-Sticks oder SD-Karten synchronisieren, weil sie sie nicht als MP3-Player erkennen. Mit ein klein wenig Dressurarbeit spielen sie aber auch dieses Kunststück. Eine kleine Datai namens .is_audio_player auf dem Stick gespeichert sagt den Musikspielern, wie sie mit dem Stick umzugehen haben.

Für mein Auto habe ich mir einen USB-Stick gekauft, um meine Lieblingsmusik auch dort hören zu können. Ich hatte die Hoffnung, dass ich meine Playlists ganz bequem wie auf ein Handy oder einen MP3-Player über mein Linux-Musikprogramm synchronisieren kann. Ging aber nicht. Banshee wie auch Rhythmbox zeigten den USB-Stick nicht in der Liste der verfügbaren Geräte an. Das selbe gilt auch für SD-Karten oder andere Speichermedien.

Technisch gesehen hat das folgenden Grund: ein MP3-Player oder ein Handy weist sich explizit als Mediengerät aus und teilt den Mediaplayern mit, welche Verzeichnisse sie für die Musik zur Verfügung stellen und welche Audioformate sie unterstützen. Ein USB-Stick oder eine SD-Karte tut das alles eben nicht, deshalb wird er ignoriert.

Also müssen wir unserem Stick genau das beibringen. Wir müssen ihm einen solchen Ausweis selbst ausstellen. Und dieser Ausweis heißt .is_audio_player. Diese Datei lässt sich mit jedem Texteditor anlegen, egal ob grafisch oder konsolenbasiert. Sie wird im Wurzelverzeichnis des USB-Sticks gespeichert.

nano /path/to/my/USB/Stick/.is_audio_player

name="SanDisk 128GB USB 2.0" audio_folders=mp3/ folder_depth=2 output_formats=audio/mpeg

Die gezeigte Konfiguration ist so etwas wie eine sinnvolle Minimal-Konfiguration. Zusätzlich kann man auf den USB-Stick auch Playlists, Cover-Art und Videos übrerspielen lassen, wenn man dies angibt:

name="SanDisk 128GB USB 2.0"
audio_folders=Music/
video_folders=Movies/
folder_depth=2
output_formats=audio/ogg,audio/x-ms-wma,audio/x-flac,audio/mpeg,audio/mp4,audio/m4a,audio/aac,audio/wav,video/mp4-generic,video/quicktime,video/mp4,video/mpeg4
playlist_formats=audio/x-scpls, audio/x-mpegurl
cover_art_file_type=jpeg
cover_art_file_name=cover.jpg
cover_art_size=480

Was bedeuten nun die einzelnen Felder?

  • name: Dies ist der Name des Gerätes, der im Musikspieler angezeigt wird. Die Anführungszeichen können weggelassen werden, wenn es keine Leerzeichen im Namen gibt.
  • audio_folders: Die Ordner, in denen Musik gespeichert wird. Hinter den Ordnernamen gehört unbedingt ein Schrägstrich, mehrere Ordner werden mit einem Komma getrennt, also z.B. mp3/,albums/,records/ . Wird als Ordner nur ein . angegeben, so wird die Musik direkt im Wurzelverzeichnis gespeichert.
  • video_folders: Für die Videospeicherorte gelten die selben Regeln wie für die Audiospeicherorte.
  • folder_depth: Hier kann ein Wert von 0 bis 2 stehen. Mit diesem Parameter kann die Ablagestruktur der Ordner festgelegt werden. 0 legt keine Unterordner an und die Dateien werden nach dem Schema Interpret – Album – Titel.mp3 umbenannt (die Endung wird natürlich nicht angerührt und dient hier nur als Beispiel). 1 Erzeugt die Struktur Interpret – Album / Track – Titel.mp3. Bei 2 erhält man die Struktur Interpret / Album / Track – Titel.mp3. Für was man sich nun entscheidet, ist nicht nur Geschmackssache, sondern richtet sich vor Allem nach den Fähigkeiten des Gerätes, an dem die Musik abgespielt werden soll.
  • output_formats: Dies ist der wichtigste Parameter. Hier kann man festlegen, was für Audio- und Video- Dateiformate auf den Stick gespielt werden sollen. Liegt die Musik in einem anderen Format vor, wird sie vor dem Überspielen automatisch konvertiert. Angegeben werden müssen die akzeptierten Formate im MIME-Format, für gängige Musikdatenformate sind dies z.B. audio/mpeg,audio/x-ms-wma,audio/wav,audio/x-flac,audio/ogg. Für eine vollständige Liste der MIME-Typen siehe hier (unter audio/ und video/).
  • playlist_formats: Das Format für Playlists muss in einem Extra-Paramter, ebenfalls als MIME-Type spezifiziert werden. Für M3U ist dies audio/x-mpegurl, gelegentlich auch nur audio/mpegurl (ausprobieren, was geht), für XSPF application/xspf+xml
  • playlist_path: Sollen die Playlists nicht im selben Ordner wie die Musik abgelegt werden, kann hier ein Extra-Verzeichnis angegeben werden.
  • cover_art_file_type: Unterstützt das Abspielgerät die Anzeige von Cover-Bildern, kann hier der erforderliche Dateityp festgelegt werden (dieses Mal nicht als MIME-Type, sondern einfach als jpeg (mit e!), tiff, ico, bmp, png, …)
  • cover_art_file_name: Sucht das Abspielgerät nur nach einem speziellen Namen des Cover-Bildes, so kann dieser hier (mit Endung) angeben werden, z.B. cover.jpg (hier ohne e!) oder cover.bmp.
  • cover_art_size: Die Größe des zu speichernden Bildes in Pixeln. Hier reicht eine Zahl, da Cover-Bilder bekanntlich stets quadratisch sind.

Speichert man die Datei nun im Wurzelverzeichnis des USB-Sticks und startet den Mediaplayer seiner Wahl neu, falls dieser gerade läuft, dann wird der Stick sofort als MP3-Player erkannt und man kann mit dem synchronisieren beginnen.

USB-Stick als synchronisationsfähiges Gerät in Banshee

USB-Stick als synchronisationsfähiges Gerät in Banshee

Das Schöne daran ist: zumindest alle großen Medienspieler wie Amarok, Clementine, Banshee und Rhythmbox scheinen nach dieser Datei zu suchen. Damit ist diese ziemlich einfache Lösung universell verwendbar.

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Kategorien: Computer und Linux.