Ein Jahr ARM-Chromebook mit Arch Linux – und immer noch zufrieden!

Vor gut einem Jahr habe ich an dieser Stelle darüber berichtet, dass ich mir ein ARM-Chromebook von Samsung gekauft und darauf Arch Linux installiert habe. Es hat sich im Alltag bewährt, wobei ich sowohl Googles Chrome OS, als auch das auf einer SD-Karte installierte Linux verwende, je nachdem, was ich gerade vor habe. Ein kleiner Erfahrungs- und Zufriedenheitsbericht.

Am 28. April letzten Jahres habe ich mir ein Chromebook gekauft, nachdem ich entdeckt hatte, dass es offiziell von der Arch Linux ARM – Community unterstützt wird. Ein paar Monate zuvor hatte ich erstmals auf meinem damaligen iMac und einem Raspberry Pi Arch Linux installiert und war damit nach einigen anfänglichen Trial-and-Error-Schwierigkeiten derart zufrieden, dass ich mich dazu entschlossen habe, mich weitgehend aus der Mac-Welt zurückzuziehen und völlig auf (Arch) Linux umzusteigen.

Letztes Jahr waren Chromebooks noch weitgehend unbekannt; inzwischen sind sie schon etwas verbreiteter. Samsungs ARM-Chromebook ist dennoch recht allein auf weiter Flur; die meisten Chromebooks von 2013 wurden auf x86er-Basis gefertigt. Das ARM-Chromebook ist hardware-, größen- und gewichtsmäßig eher ein Tablet mit Tastatur als ein Laptop. Das für mich größte Kaufkriterium war jedoch die geradezu astronomische Akkulaufzeit von bis zu 6 Stunden. Dieser Wert hat sich in der Praxis bewahrheitet.

Das Samsung Series 3 ARM-Chromebook

Das Samsung Series 3 ARM-Chromebook

Chrome OS, das Standardbetriebssystem eines Chromebooks, besteht im Prinzip nur aus Googles Browser Chrome. Zusätzliche Funktionalität erhält man lediglich über die Chrome Apps, die man sich herunterladen kann. Im Dateisystem hat man nur Zugriff auf einen Downloads-Ordner und Google Drive. Das Chromebook setzt also voll auf die Cloud und die „Generation Always On“ – die nach Googles Vorstellung (und leider auch in der Realität) natürlich bevorzugt Services von Google verwendet. Ich nutze Chrome OS trotzdem hin und wieder, wenn ich weiß, dass ich nur schnell was im Internet nachschauen möchte.

Über ein Hintertürchen – sprich, eine SD-Karte – kann man jedoch ein vollständiges Linux installieren. Genau das war es, was für mich den Ausschlag gegeben hat, mir das Chromebook letztlich doch zu kaufen. Es gibt zwei Distributionen, die damals auf dem Chromebook liefen: Arch Linux ARM und ChrUbuntu, eine speziell für das Chromebook portierte Ubuntu-Version. Ich habe mich für Arch Linux entschieden, welches ich wie gesagt schon kannte und zufrieden damit war. Es gab jedoch (und gibt noch immer) einige Hardware-Probleme. Zum Einen funktionierte der Standby-Modus nicht. Dieses Problem hat sich inzwischen ohne mein spezielles Zutun gelöst. Ungelöst ist hingegen weiterhin das Audioproblem. Zwar werden die Lautsprecher des Chromebooks prinzipiell unterstützt, allerdings laufen sie anscheinend aufgrund einer speziellen Hardware-Konfiguration bei starker Beanspruchung derart heiß, dass die buchstäblich durchbrennen und schmelzen(!). Ich vermeide daher bis heute jegliche Benutzung von Audio.

Mehr eine Geschmacksfrage, allerdings eine nicht ganz unerhebliche, ist die Wahl einer Desktop-Umgebung. Für Windows- und Mac-Nutzer: „Linux“ ist kein einheitliches Betriebssystem wie Windows oder Mac OS X. Streng genommen ist Linux nur der Kernel, also das Herzstück des Systems. Erst die verschiedenen Distributionen machen daraus – mit zusätzlicher Software und gegebenenfalls einem Desktop – ein vollständiges Betriebssystem. Das ist der Grund, weshalb es so viele verschiedene Linux-Distributionen und so viele Desktop-Umgebungen gibt. Jede kann etwas anderes, verbraucht unterschiedliche Ressourcen oder möchte andere User ansprechen.

Ein auf Linux basierendes System ist generell nicht an eine bestimmte Desktop-Umgebung gekoppelt, sondern erlaubt es dem Benutzer, sich für eine Oberfläche seiner Wahl zu entscheiden. Es können im Prinzip jederzeit mehrere Oberflächen parallel installiert und bei jedem Start eine andere gewählt werden. Bei Desktop-Umgebungen gibt es wiederum unterschiedliche Grafik-Engines; die zwei größten sind GTK+ mit GNOME als bekanntestem Vertreter und Qt mit KDE als bekanntester Distribution. Ich persönlich favorisiere GTK, weshalb sich meine Wahl prinzipiell eher auf solche Systeme konzentriert.

 

Die Suche nach der passenden Desktop-Umgebung

Anfangs habe ich mich, aufgrund meiner Erfahrungen auf dem iMac, für Openbox entschieden. Openbox ist ein absolut minimalistischer Fenster-Manager, der „ohne Alles“ daher kommt. Es gibt keinerlei Schnickschnack wie Taskleisten oder Ähnliches, ja nicht einmal einen eigenen Dateimanager. Herzstück von Openbox ist das vollkommen frei konfigurierbare Kontextmenü, über das Programme gestartet, Shellscripts ausgeführt, Laufwerke ein- und ausgehängt werden können und das System neu gestartet wird. Diese hohe Konfigurierbarkeit kommt einher mit wenig Anfängerfreundlichkeit; es hat einige Zeit gedauert, bis ich die Konfiguration durchblickt und Openbox nach meinen Wünschen konfigurieren konnte. Mit Tint2 als Taskleiste gewinnt man Einiges an Komfort hinzu.

Als Nächstes habe ich Xfce ausprobiert. Im Gegensatz zu Openbox ist Xfce eine vollwertige, aber sehr genügsame Desktop-Umgebung, die auch mit einem ganzen Satz eigener Programme daher kommt. Richtig warm geworden bin ich jedoch auch mit Xfce nicht. Es funktioniert, läuft schnell und flüssig, gefiel mir aber trotz vieler Konfigurationsmöglichkeiten nicht.

Noch recht frisch ist mein Umstieg auf MATE. MATE ist eine Weiterentwicklung von GNOME 2, dessen Entwicklung zugunsten von GNOME 3 eingestellt wurde. Es wurde ursprünglich als Desktop-Umgebung der bekannten und besonders einsteigerfreundlichen Distribution Linux Mint entwickelt (über die ich vor einigen Jahren zu Linux gekommen bin und die ich jedem Einsteiger noch vor Ubuntu empfehlen würde). Der Versionssprung von GNOME 2 auf 3 brachte so umfangreiche Änderungen mit sich, dass viele Anwender und die Entwickler von Mint nicht mit GNOME 3 einverstanden waren und die Weiterentwicklung des alten Systems übernehmen. Inzwischen verwendet Mint in der Standard-Auslieferung die Desktop-Umgebung Cinnamon (welches wiederum auf GNOME 2 basiert, jedoch moderne Elemente von GNOME 3 in die Umgebung integriert). Über Cinnamon bin ich letztlich zu MATE für mein Chromebook gekommen, denn Cinnamon verwende ich seit Kurzem als Desktop-Umgebung für meinen Haupt-PC.

MATE wird als Umgebung für leistungsschwächere PCs empfohlen und ist meiner ersten Erfahrung nach für das Chromebook gerade noch geeignet. Die Ladezeit des Desktops ist recht lang, auch der Fenstermanager braucht eher länger, um Programmfenster zu zeichnen. Die eigentliche Programmbedienung ist jedoch flüssig. Ich weiß nicht, ob das wirklich miteinander zusammen hängt, aber seit ich MATE installiert habe, ist eines der beiden letzten großen Probleme behoben, die Arch Linux auf dem Chromebook mit sich bringt: das Energie-Management. Seit der Installation funktionieren erstmals die Ruhemodus- und Standby-Funktionen zuverlässig. Vorher reagierte das Chromebook nicht auf das Schließen des Deckels (trotz der Einrichtung des benötigten Daemons) und kam nicht aus dem Ruhezustand des Monitors zurück, wenn es diesen verlassen sollte. Vielleicht liegt das aber auch an der Weiterentwicklung des zugrunde liegenden Linux-Kernels für das Chromebook oder anderer Arch Linux ARM-spezifischer Komponenten, die in der Zwischenzeit aktualisiert wurden.

Der MATE-Desktop mit dunklen Panels

Der MATE-Desktop mit dunklen Panels

 

So oder so bin ich mit MATE bisher am zufriedensten. Ein Mehr an Spielereien wird auf dem Chromebook wohl mangels Leistung nicht möglich sein, aber mehr ist für mich auch nicht nötig, denn MATE präsentiert sich als eleganter und zuverlässiger Desktop-Manager mit allen Funktionen, die auch Xfce bietet, nur „in schöner“ (für meinen Geschmack). MATE ist von den drei erwähnten Desktop-Umgebungen auch diejenige, die am wenigsten Konfiguration benötigt (wobei der Unterschied zu Xfce nicht besonders groß ist).

 

Die Zukunft

Ich werde mit meinem Chromebook wohl noch eine ganze Weile zufrieden sein. Als Zweitrechner für Unterwegs übererfüllt es das (für mich) Hauptkriterum: es hat einen verdammt langem Atem. Die Leistung ist nicht überragend, aber eben völlig ausreichend.

All denjenigen, die sich für ein Chromebook interessieren, lege ich Samsungs neues ARM-Chromebook 2 ans Herz. Es kommt in zwei Größen: 11″ wie gehabt und 13″ mit 8 bzw. 8,5 Stunden(!) Akkulaufzeit und kostet rund 300 bzw. 400 Dollar. Zum derzeitigen Zeitpunkt wurde Arch Linux ARM allerdings noch nicht auf diese Geräte portiert – wem das wichtig ist.

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Kategorien: Computer, Hardware und Linux.

Trackbacks

  1. Chris sagt:

    .

    thanks.

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