Auf zu neuen Ufern mit Jolla

Heute ist es endlich so weit. Ich verlasse die Gewässer von iOS und breche mit meinem neuen Smartphone auf zu neuen Ufern. Es ist ein ganz besonderes Handy, denn es gehört nicht zur Apple-, nicht zur Windows Phone- und nur indirekt zur Android- Gruppe. Es ist ein krasser Außenseiter und nennt sich Jolla. Die ZEIT beschrieb es in ihrem Bericht als „Das Smartphone, das Nokia nicht wollte“ – und trifft den Nagel damit auf den Kopf.

Die brennende Plattform oder der Sprung ins kalte Wasser

There is a pertinent story about a man who was working on an oil platform in the North Sea. He woke up one night from a loud explosion, which suddenly set his entire oil platform on fire. In mere moments, he was surrounded by flames. Through the smoke and heat, he barely made his way out of the chaos to the platform’s edge. When he looked down over the edge, all he could see were the dark, cold, foreboding Atlantic waters.

 

As the fire approached him, the man had mere seconds to react. He could stand on the platform, and inevitably be consumed by the burning flames. Or, he could plunge 30 meters in to the freezing waters. The man was standing upon a „burning platform,“ and he needed to make a choice.

 

He decided to jump. It was unexpected. In ordinary circumstances, the man would never consider plunging into icy waters. But these were not ordinary times – his platform was on fire. The man survived the fall and the waters. After he was rescued, he noted that a „burning platform“ caused a radical change in his behaviour.

 

We too, are standing on a „burning platform,“ and we must decide how we are going to change our behaviour.

Das ist der Beginn von Ex-Nokia-CEO Stephen Elops berüchtigtem Burning platform – Memo, geschrieben an einen Teil der Mitarbeiter im Frühjahr 2011. Es ist eine raue Zeit für Nokia. Apple hat den Mobiltelefon-Markt völlig über den Haufen geworfen, Google hat mit Android einen großen Konkurrenten ins Rennen geschickt. Und Nokia? Der einstige Marktführer in Sachen Mobiltelefone wurde von der Smartphone-Welle völlig überrollt.

Mit der „burning platform“ meint Stephen Elop vermutlich in erster Linie das mobile Betriebssystem Symbian, die Grundlage für die damaligen Nokia-Unsmartphones. In der Tat erfreut sich Symbian nur wenig Beliebtheit bei Entwicklern und Anwendern. Die Wurzeln des Systems reichen weit zurück, bis zu den ganz alten Psion-Organizern. Apples und Googles Ansätze hingegen sind komplett neu.

2008 hatte Nokia das Unternehmen Trolltech eingekauft und sich damit die Qt-Bibliothek einverleibt. Qt ist eine umfangreiche C++ – Klassenbibliothek, die unter anderem als Grundlage für den Linux-Desktop KDE dient. Mit ihr entwickelte man bei Nokia Maemo, ein auf Debian basierendes Betriebssystem für mobile Endgeräte, welches man bereits seit 2005 als Seitenprojekt entwickelte. Aus Maemo wurde 2010 durch die Verschmelzung mit einem weiteren Mobil-Betriebssystem (Moblin) MeeGo. MeeGo wurde eine viel versprechende Zukunft prophezeit. Doch noch bevor die Entwicklung von MeeGo bei Nokia richtig in Gang kam, verkündete Stephen Elop den Wechsel zu Microsofts Windows Phone als zukünftiges Betriebssystem bei Nokia. Dennoch erschien, zumindest in Österreich, ein einziges Handy mit MeeGo: das N9hier ein Testbericht aus dem STANDARD. Dieses Smartphone bestätigte das Potenzial, welches in MeeGo steckte. Doch Nokia wollte letztendlich nichts davon wissen.

Die Entwicklung von MeeGo bei Nokia war vom Anfang bis zum Ende eine reine Katastrophe. Vom Management nur als Seitenprojekt betrachtet, gab man sich nicht besonders viel Mühe, die Entwicklung voran zu treiben. Inkompabilitäten zwischen Versionssprüngen und ständige Werkzeug-Wechsel haben die Entwicklergemeinschaft vergrämt. Und dann kam das endgültige Aus für die Entwicklung. Viele Entwickler verließen daraufhin Nokia. Die meisten waren stinksauer und einige von ihnen schlossen sich zu einem neuen Team zusammen. Sie wollten nicht, dass ein so viel versprechendes System einfach im Sande verläuft. Sie gründeten deshalb das Unternehmen Jolla. Jolla, sprich: Yolla, heißt auf finnisch so viel wie Jolle, also ein kleines Segel- oder Ruderboot. Das Betriebssystem heißt Sailfish OS und basiert auf einem ebenfalls von MeeGo abstammenden Projekt namens Mer. Die ganze Jolla-Umgebung ist also durchsetzt von Wasser-Mataphern – wohl eine Reaktion der Entwickler auf Elops Memo. Sie sind in das kalte Wasser gesprungen, in das Nokia ihrer Meinung nach hätte springen sollen.

 

Sailfish OS

Das Sailfish OS - Logo

Das Sailfish OS – Logo

 

Ins kalte Wasser springen auch diejenigen, die sich bereits jetzt ein Jolla kaufen, denn Sailfish OS ist anders als alles, was der Smartphone-Markt derzeit zu bieten hat. Dementsprechend wenig native Apps gibt es derzeit im hauseigenen Jolla Store, doch es werden allmählich mehr. Um jedoch nicht völlig auf dem Trockenen zu sitzen, kann man als Benutzer auch Android-Apps installieren. Einzige Einschränkung: (derzeit) nicht aus dem Google Play Store. Damit entfallen sämtliche Apps, die Google Services benutzen, bzw. funktionieren nur eingeschränkt.

Sailfish OS ist ein OpenSource-Betriebssystem und sieht sich selbst als längst überfällige „echte Alternative“ zu den bisherigen Smartphone-OS. Es basiert zum Einen auf dem schon erwähnten Mer-Projekt, welches die Systemgrundlage bildet. Zum Programmieren von Apps wird Qt bzw. dessen Markup-Language QML (die von der Syntax her stark an Javascript angelehnt ist) verwendet.

Die Sailfish OS-Architektur

Die Sailfish OS-Architektur

 

Native Sailfish-Apps werden ausschließlich gestenbasiert bedient. Es gibt Gesten in alle vier Richtungen des Displays, wobei es jeweils einen Unterschied macht, ob ich vom Rand ins Display wische oder nur innerhalb des Displays wische. Das bereitet am Anfang einiges an Kopfzerbrechen, doch man gewöhnt sich sehr schnell an die Bedienung. Generell sind Gesten vom Rand des Bildschirms her systembezogen (Bildschirm sperren, Events aufrufen, App schließen oder minimieren), während Gesten innerhalb des Bildschirms App-bezogen sind.

Aufbau der Oberfläche. Wischt man vom Homescreen ausgehend nach oben, kommt man in den App-Launcher, wischt man nach unten, kommt man zum Sperrbildschirm. Wischt man nach links oder rechts, kann man die Ambience verändern.

Aufbau der Oberfläche. Wischt man vom Homescreen ausgehend nach oben, kommt man in den App-Launcher, wischt man nach unten, kommt man zum Sperrbildschirm. Wischt man vom Rand her nach links oder rechts, kann man die Ambience verändern. Vom Rand nach unten sperrt das Gerät, vom Rand nach oben blendet die Event-Liste ein.

 

App-Handling. Wischt man vom Rand her ins Display, so kann man die App auf den Home-Bildschirm minimieren, beenden oder die Events aufrufen.

App-Handling. Wischt man vom Rand her ins Display, so kann man die App auf den Home-Bildschirm minimieren, beenden oder die Events aufrufen.

 

App-Handling, Teil 2. Eines der zentralen Bedienkonzepte von Sailfish OS ist das Pulley Menu, eine Art Kontextmenü.

App-Handling, Teil 2. Eines der zentralen Bedienkonzepte von Sailfish OS ist das Pulley Menu, eine Art Kontextmenü. Wenn innerhalb einer App eine Unteransicht aktiviert ist, so erfolgt die Bedienung mit Gesten nach links oder rechts. Auf welcher Ebene innerhalb der App man mich befindet, sieht man an der Anzahl der Punkte am linken oberen Display-Rand.

 

Aufgrund der Konzentration auf gestenbasierte Steuerung kommen die meisten Sailfish-Apps fast vollständig ohne klassische Steuerelemente wie Buttons oder Slider aus. Man findet sie nur in einigen Dialogen innerhalb einzelner Apps, wenn die Komplexität der Aufgabe keinen Verzicht darauf zulässt. Das Display steht somit vollständig dem Inhalt der App zur Verfügung. Das User Interface ist derart radikal neutral gestaltet, dass es hinter dem Inhalt fast vollständig zurück tritt (ein paar Bildbeispiele folgen unten).

Ein sehr wichtiges Element bei der Bedienung ist das Pulley Menu, das akriviert wird, in dem man den Display-Inhalt nach unten zieht. Innerhalb einer App oder auf dem Sperrbildschirm zeigt es kontextbezogen die wichtigsten Aktionen an. Auf dem Sperrbildschirm kann man auf diese Weise den Klingelton aus- oder andrehen, oder man gelangt direkt zu den Einstellungen, zum Telefon oder zur Kamera. In den E-Mails kann mit dem Pulley Menu eine neue Mail verfasst oder mehrere E-Mails zwecks Weiterverarbeitung ausgewählt werden; eine geöffnete Mail kann man löschen oder darauf antworten. In der Uhr lässt sich auf diese Weise ein Wecker oder eine Stoppuhr stellen, etc.

Beispiel einer Notiz-App. Durch "Herunterziehen" des Display-Inhalts ruft man das Pulley Menu auf.

Beispiel einer Notiz-App. Durch „Herunterziehen“ des Display-Inhalts ruft man das Pulley Menu auf.

Ein etwas komplexeres Pulley Menu einer Social Media App.

Ein etwas komplexeres Pulley Menu einer Social Media App.

Das Pulley Menu auf dem Sperrbildschirm

Das Pulley Menu auf dem Sperrbildschirm. Die Sprechblase zeigt an, dass ich eine neue SMS bekommen habe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sailfish OS wirbt damit, echtes Multitasking zu beherrschen. Dies wird auf eine Art umgesetzt, die mir persönlich sehr gut gefällt. Geöffnete Apps werden als so genannte Covers auf dem Home-Bildschirm abgelegt. Vier (2 x 2) oder neun (3 x 3) dieser Covers können gleichzeitig angezeigt werden. Diese sind nicht einfach nur eine minimierte Version der App, sondern können, wenn vom Entwickler vorgesehen, eine oder zwei Aktionen ausführen, wenn der Benutzer auf dem Cover nach links oder rechts wischt. So kann ich, wenn ich über die geöffnete Telefon-App wische, direkt das Adressbuch oder den Ziffernblock aufrufen, den Musikplayer stoppen oder den nächsten Titel auswählen (ohne dass die App selbst dafür aufgerufen wird), das Wetter aktualisieren oder neue E-Mails abrufen bzw. direkt ein neues Mail verfassen. Das ist eines der Features, die ich schon nach der ersten Benutzung nicht mehr missen möchte.

Der Home-Bildschirm. Die Symbole am unteren Rand der Cover deuten die Aktion an, die ausgeführt werden kann, wenn man auf dem Cover in die entsprechende Richtung wischt.

Der Home-Bildschirm. Die Symbole am unteren Rand der Cover deuten die Aktion an, die ausgeführt werden kann, wenn man auf dem Cover in die entsprechende Richtung wischt.

 

Um die Bedienung von Sailfish OS anschaulich zu demonstrieren, binde ich an dieser Stelle noch ein kleines Youtube-Video ein:

 

Ebenfalls ein sehr feines Feature ist das direkte haptische Feedback beim Tippen. Anstatt einen Tipp-Sound abzuspielen, vibriert das Handy bei einem Tastenanschlag in direkter Rückkopplung auf die Härte des Anschlags unterschiedlich leicht.

Ein paar Ambiances

Ein paar Ambiances

 

Natürlich darf auch Social Media – Einbindung nicht zu kurz kommen. Derzeit ermöglicht es Sailfish OS, Twitter, Facebook und Google+ direkt in das System zu integrieren. Der Facebook-Chat wird beispielsweise direkt in die Nachrichten-App integriert, aus der man auch SMS schreibt (leider werden jedoch auch die Facebook-Kontakte direkt ins Adressbuch importiert, was ich persönlich ausgesprochen lästig finde). Auch die Facebook-Fotos sind direkt aus der Galerie, der Foto-App, aufrufbar. A propos Galerie: Sailfish OS benutzt Ambiences für die Farbanpassung von Bildschirminhalten. Diese Ambiences lassen sich aus jedem beliebigen Foto herstellen, welches dann zudem als Hintergrundbild verwendet wird. Auf diese Weise kann man sehr schnell die Farben seines Handys seiner Stimmung anpassen, wenn man Wert darauf legt.

Der Sperrbildschirm der "Snow White" - Ambience

Der Sperrbildschirm der „Snow White“ – Ambience

Kalender-App, "Snow White" - Ambience

Kalender-App, „Snow White“ – Ambience

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sperrbildschirm der  "The First one" - Ambience

Der Sperrbildschirm der „The First one“ – Ambience

Kalender-App, "The First One" - Ambience

Kalender-App, „The First One“ – Ambience

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sperrbildschirm der "Rope" - Ambience

Der Sperrbildschirm der „Rope“ – Ambience

Kalender-App, "Rope" - Ambience

Kalender-App, „Rope“ – Ambience

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich habe mich mit Sailfish OS sofort anfreunden können. Der Sprung von einem anderen Smartphone ist nicht besonders groß und die Feinheiten, die am Anfang verwirrend sind, macht man sich schnell zu eigen. Wer von Android kommt, für den sind auch Android-Apps, die sich unter Sailfish OS genau so verhalten wie auf einem Android-System, keine Hexerei.

Ein Ausschnitt aus der Karten-App

Ein Ausschnitt aus der Karten-App

Der Musik-Player. Es gibt Buttons! Anhand dieses und der vorhergehenden Screenshots ist jedoch auch deutlich zu sehen, dass das User Interface zugunsten des Inhalts radikal in den Hintregrund tritt.

Der Musik-Player. Es gibt Buttons! Anhand dieses und der vorhergehenden Screenshots ist jedoch auch deutlich zu sehen, dass das User Interface zugunsten des Inhalts radikal in den Hintergrund tritt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jolla

Das Handy, dass den selben Namen hat wie die Firma, die es vertreibt – in Abgrenzung dazu wird es deshalb manchmal Jollaphone genannt – ist das Referenzprodukt für Sailfish OS. Es wird von der Presse gemeinhin als Mittelklasse-Handy eingestuft.

Die Verpackung. Open Source scheint man be Jolla sehr ernst zu nehmen; so ernst sogar, dass man de Quellcode gleich auf die Verpackung gedruckt hat.

Die Verpackung. Open Source scheint man bei Jolla sehr ernst zu nehmen; so ernst sogar, dass man den Quellcode gleich auf die Verpackung gedruckt hat.

 

Die Verpackung kommt schön (und) schlicht daher. Sie ist mit QML-Quellcode bedruckt, vermutlich eine Anspielung darauf, dass Sailfish OS Open Source ist. Im Lieferumfang befindet sich neben dem Handy mit einer weißen Other Half (mehr dazu weiter unten) ein Akku, ein USB-Kabel, ein Netzteil (2A Leistung), eine Kurzanleitung und ein Garantieschein. Und – das habe ich auf die Schnelle übersehen – zwei Aufklebern.

Der komplette Lieferumfang

Der (fast) komplette Lieferumfang

 

Jolla hat eine Größe von 131 x 68 x 10 mm und besteht aus schwarzem Plastik sowie dunkel eloxiertem Aluminium. Das IPS-Display mit kratz- und bruchfestem Glas hat eine Diagonale von 4,5″ bei einer Auflösung von 960 x 540 Pixeln. Der Prozessor aus dem Hause Qualcomm ist ein auf 1,4 GHz getakteter Dual Core-Chip. 1 GB RAM und 16 GB Speicher stehen zur Verfügung, das Jolla hat zudem Platz für eine MicroSD-Karte. Die Batterie (2100 mAh) ist austauschbar und soll bis zu 10 Stunden Gesprächszeit bieten. Das Gerät hat drei Tasten auf der rechten Seite: Displaysperre bzw. On/Off, Lauter und Leiser. Auf der Oberseite befinden sich der USB-Port und die Audio-Buchse. Headsets mit Mikrophon können verwendet werden.

Die Aufkleber mit Other Half Größenvergleich (aufgenommen mit der Jolla-Hauptkamera, ohne Blitz)

Die Aufkleber mit Other Half Größenvergleich (aufgenommen mit der Jolla-Hauptkamera bei künstlichem ohne Blitz – ich bin positiv überrascht)

 

Auf der Vorderseite weist das Jolla eine Kamera mit 2 MP auf, auf der Rückseite eine 8MP-Kamera mit LED-Blitz. Neben den ansonsten typischen Konnektivitäts-Optionen wie WLAN, Bluetooth und MicroUSB bietet das Handy 4G/LTE-Untersützung und GLONASS neben GPS als Ortungsdienst.

Die Limited Edition Other Half für Early Supporters

Die Limited Edition Other Half für Early Supporters

 

Zweifellos hervorstechen tut das Gerät jedoch durch the other Half. Die Rückseite des Handys ist austauschbar; Jolla bietet verschiedenfarbige Other Halves an. Das Besondere an diesen Rückseiten ist, dass sie aktiv sind. Jede Rückseite bringt eine eigene Ambience mit sich. Das Jolla wird standardmäßig mit einer weißen other Half ausgeliefert, als early Supporter habe ich zudem eine rote Limited Edition other Half bekommen. Wechsele ich die Rückseite, lädt das Handy automatisch eine andere Ambience herunter. Das soll unter Anderem das Interesse von Firmen und Vereinen wecken. So kann etwa ein Fußballverein eine other Half mit dem Vereinslogo verkaufen, die bei Aktivierung auch einen entsprechenden Hintergrund und Klingelton installiert. Die Möglichkeiten gehen jedoch weit über rein optische Spielereien hinaus, denn die Rückseiten können mit NFC oder I2C auch hardwaremäßig verbunden werden. Das lässt beispielsweise die Entwicklung einer Tastatur oder anderen Gadgets zu.

Das Innenleben des Jolla mit zwei Other Halves.

Das Innenleben des Jolla mit zwei Other Halves.

 

Im Betrieb macht das Jolla insgesamt eine gute Figur. Alles läuft flüssig und das OS reagiert schnell, bis auf gelegentliche Aussetzer beim Browser. Dieser verfügt inzwischen auch über einen Landscape-Mode, was viele ältere Tests noch bemängelt haben. Software-Updates werden direkt über WLAN geladen und installiert. Negativ aufgefallen ist mir, dass das Jolla nach einiger Zeit in Umgebungen mit schlechtem Netzempfang Probleme zu haben scheint, die Verbindung wiederherzustellen. Während meiner ersten Gehversuche (im Kontext sollte man wohl eher von Segelversuchen sprechen) hat sich die Kamera bei der Aktivierung leider einige Male aufgehängt, was im Zweifelsfall ärgerlich ist. Von der Bildqualität hingegen bin ich positiv überrascht, da die Kamera in einigen Tests sehr verrissen wurde. Unter normalen bis grenzwertigen Lichtbedingungen ist de Kamera jedoch definitiv brauchbar. Nur bei Gegenlicht oder bei extrem schlechten Lichtbedingungen tut sie sich erwartungsgemäß sehr schwer. Hier – aber nur hier – muss sie sich knapp der Kamera meines alten iPhone 4 geschlagen geben.

Ich hoffe, dass die Jolla-Gemeinde weiter wächst und weitere Software für Sailfish OS erscheint. Denn nur das wird mittelfristig das Überleben der Plattform sichern. Derzeit kann man Jolla nur in der EU kaufen. Inzwischen wurde jedoch von Seiten der Entwickler vermeldet, dass Sailfish OS die Betaphase überstanden hat und man sich jetzt auf den weltweiten Verkauf vorbereiten werde. Man darf also gespannt sein, wohin die Reise geht. Potenzial haben Jolla und Sailfish OS jedenfalls zu Genüge und das zeigen sie auch. Aber einfach wird es trotzdem nicht, sich gegen die bereits etablierte Konkurrenz durchzusetzen.

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Kategorien: Allgemein, Hardware und Linux.