Samsung Series 3 ARM Chromebook – ein Tablet im Notebook-Format

Manchmal muss man sich einfach selbst beschenken. Zu meinem Geburtstag habe ich genau das getan und mir ein Chromebook gekauft. Genauer gesagt, ein Samsung Series 3 Chromebook. Warum das? Ich hatte doch gerade im letzten Jahr mein MacBook Pro aufgerüstet!? Richtig; und prinzipiell gibt es auch keinen Grund zur Klage. Es hat sich in der Praxis allerdings herausgestellt, dass ich trotz des Umbaus eine entscheidende Schwachstelle nicht beseitigen konnte: die Batterielaufzeit.

Letztendlich hält der Akku meines alten MacBook Pro nur höchstens 3 Stunden, eher noch weniger. Für die Uni ist das manchmal zu wenig; nicht in jedem Hörsaal gibt es Steckdosen an jedem Platz. Zudem ist das alte 15″-Notebook zum Teil schon grenzwertig groß für die Hörsaal-Tische. Während ich mich mit Arch Linux ARM beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass in der Liste der unterstützten Geräte auch ein Chromebook von Samsung auftaucht. Das Gerät ist erst seit Kurzem auf dem deutschsprachigen Markt verfügbar und besticht vor allen Dingen durch seinen niedrigen Preis von 250 Euro. Das hat mein Interesse geweckt und ich habe mir das Gerät genauer angesehen.

Chromebook – was ist das?

Google_Chrome_icon_and_wordmark_(2011).svgKurz gesagt: ein Chromebook ist ein Notebook, auf dem Googles hauseigenes Betriebssystem Chrome OS läuft. Viele kennen vermutlich Googles Browser Chrome. Genau dieser Browser ist die Grundlage von Chrome OS. Er ist im Prinzip das einzige Programm, welches man auf einem Chromebook ausführen kann. Das allein wäre natürlich herzlich sinnfrei, aber wie auch bei der Desktop-Version von Chrome ist es möglich, Erweiterungen zu installieren. Damit kann man zumindest eine gewisse Grundfunktionalität erreichen.

Das Konzept hinter Chrome OS ist, dass man ständig mit dem Internet verbunden sein und alle seine Daten online speichern und verwalten möchte – natürlich ausschließlich auf Google Drive. Dementsprechend hat man außerhalb des Browsers praktisch keinerlei Zugriff auf das Betriebssystem. Ebenso gibt es lediglich einen Download-Ordner und, direkt integriert ins Betriebssystem, den Google-Drive-Ordner. Damit muss man sich im Großen und Ganzen zufrieden geben.

Ich mag Chrome OS nicht. Die oben genannten Gründe allein sind Grund genug, sich kein Chromebook zu kaufen. Warum tue ich es dann trotzdem? Es gibt, wie schon angedeutet, ein Hintertürchen, mit dem man ein „richtiges“ Linux (Chrome OS ist selbst auch eines) auf einem Chromebook installieren und es dadurch zu einem vollwertigen, brauchbaren Computer machen kann. Damit wird das kleine Notebook plötzlich sehr interessant, allen voran das Samsung Series 3 Chromebook.

Das Samsung Series 3 Chromebook

Samsung bietet neben dem leistungsstärkeren Series 5 Chromebook dieses schlanke Modell für 250 bzw. 300 Euro an. Wie kommt der geringe Preis zustande? Schaut man sich das Innenleben an, so handelt es sich beim 3er-Chromebook im Grunde genommen um ein Tablet mit Tastatur. Bei der 3er-Version wurde nämlich ein ARM-Prozessor verbaut, wie er sich auch in vielen Tablets oder dem Raspberry Pi befindet. Chrome OS ist so genügsam, dass es problemlos darauf läuft. Die Konfiguration im Detail:

  • Prozessor: Samsung Exynos 5250 Dual-Core @ 1.7Ghz
  • Grafikprozessor: Mali-T604 quad-core GPU
  • Bildschirmdiagonale und Auflösung: 11.6″ mit 1366 x 768 Pixeln
  • Arbeitsspeicher: 2GB DDR3
  • Festplatte: 16GB eMMC
  • Integrierte Webcam
  • WLAN: 802.11 a/b/g/n (Dual Band)
  • Ext. Anschlüsse: je 1x HDMI, USB 3.0, USB 2.0, Audio-Out, SD-Kartenslot
  • Batterielaufzeit: 6 bis 7 Stunden(!!!)

Die teurere Version hat zusätzlich einen SIM-Kartenslot, damit man wirklich überall online sein kann, Datenflatrate vorausgesetzt.

Das Samsung Series 3 Chromebook

Das Samsung Series 3 Chromebook

 

Zum Kauf bewegt hat mich wie gesagt letztendlich, dass es möglich ist, Arch Linux ohne große Eingriffe darauf zu installieren – genauer gesagt: über eine SD-Karte laufen zu lassen. Nachdem ich Arch Linux schon schon auf meinem iMac und meinem Raspberry Pi ausprobiert hatte und damit sehr zufrieden war, war das das ausschlaggebende Kaufargument. Ich hätte mir nie ein Notebook wegen Chrome OS gekauft. So aber habe ich ein ultra-sparsames, leichtes, kompaktes Notebook mit Linux, einer brauchbar großen Tastatur und 6 Stunden Batterielaufzeit – für 250 Euro. Noch ein interessantes Detail: dank des sparsam arbeitenden Prozessors wird das Chromebook während des Betriebs maximal körperwarm und hat deshalb keinen Lüfter eingebaut – es arbeitet vollkommen lautlos.

Die auf Chrome OS optimierte Tastatur

Die auf Chrome OS optimierte Tastatur (in diesem Fall im englischen Layout, weil es sich um ein Samsung-Presefoto handelt; beim Kauf kommt die Tastatur kommt natürlich auf Deutsch daher, wie auf meinem Foto oben zu sehen ist)

 

Die Tastatur hat, wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, Ähnlichkeit mit der eines aktuellen Apple-Notebooks. Der Tastenanschlag ist angenehm weich; die Tasten haben normale Größe. Auffällig sind die Tasten, die unter Chrome OS die F-Tasten über der Zahlenreihe ersetzen, sowie der Ersatz für die Feststelltaste. Installiert man ein anderes Betriebssystem, verhalten sich die Tasten wie gewohnt. Ein- und ausschalten tut man das Chromebook übrigens über die Taste oben rechts. Zum Ausschalten muss sie länger als fünf Sekunden gedrückt werden (der Bildschirm färbt sich währenddessen langsam weiß). Ein kurzer Tastendruck sperrt den Bildschirm. Im Betrieb leuchtet auf dieser Taste eine weiße LED, im Standby-Modus blinkt sie. Auch wenn die Tastatur fast so wie die eines MacBook Pros aussieht: sie ist nicht beleuchtet und es tippt sich etwas weicher auf ihr. Finde ich persönlich sehr angenehm.

Die größte Schwachstelle dieses Chromebooks ist die geringe Steifigkeit. Im vorderen Teil des Gehäuses, also unter dem Touchpad, befindet sich praktisch nichts innerhalb des Gehäuses. Deshalb ist es sehr biegsam. Beim Herumlümmeln auf dem Sofa kann es deshalb passieren, dass sich das Gehäuse so sehr verbiegt, dass das Touchpad gedrückt und damit ein Mausklick ausgeführt wird. Das kann ziemlich lästig sein. Steht das Chromebook auf dem Schreibtisch oder verwendet man eine stabile Unterlage, passiert das aber natürlich nicht. Auch der Bildschirmrahmen wirkt insgesamt eher klapprig. So ein geringer Preis hat eben seinen Preis.

[UPDATE] Inzwischen habe ich Arch Linux erfolgreich installiert. Hier steht, wie es geht.

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Kategorien: Computer, Hardware und Linux.